Advent 2021 - ein Jahresrückblick


In diesem Jahr ist unser Weihnachtskalender ein bisschen ungewöhnlich. Er blickt in kleinen Geschichten auf das Besondere in einem Doppel-Wahlkampfjahr zurück, stellt Menschen vor, die sich besonders engagiert haben und weiterhin engagieren.


1. - Martin Kramer

Er ist jetzt 88 Jahre alt. Das ist nicht das Alter, in dem man großflächig Plakate aufhängt oder Flyer verteilt. Doch Martin Kramer war ein Jahr lang im Wahlkampf mittendrin statt nur dabei. Freitags 14.40 Uhr stand ein „FDP-Taxi“ vor seiner Tür und fand den Weg dann fast von allein zur Landesgeschäftsstelle. Dort gibt’s seither – mit wenigen Unterbrechungen – zum „Wochenendstart“ Kaffee, Kuchen und Politik. Und danach in der Adventszeit eine kleine Tour entlang der Lichterwelt, die man als Beifahrer, der nicht mehr so gut „zu Fuß“ ist, besonders genießen kann.

Liberale sind – einigen Vorurteilen zum Trotz – echte Teamplayer, und wissen guten Rat zu schätzen. Zumal von jemandem, der in seinem Leben so einiges erlebt hat und als Stadtrat, Fraktionsvorsitzender und langjähriges FDP-Vorstandsmitglied die liberale Sache in der Magdeburger Kommunalpolitik vertrat.

In Berlin beispielsweise erlebte er die Bomberangriffe im 2. Weltkrieg, die Familie floh von Berlin-Mahlsdorf in den Harz nach Wernigerode. Hier absolvierte Martin Kramer eine Kaufmannslehre, studierte ab 1952 Evangelische Theologie an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Er arbeitete als Vikar in der Laurentius-Gemeinde von Halle, war dann als Pfarrer in Magdeburg tätig. 1980 wurde er zum Konsistorialpräsidenten berufen - davon gab es nur zwei, der andere war Martin Stolpe. Von den Herausforderungen dieser Zeit erzählt Martin Kramer in der Podcastfolge ↗"Kirche im Sozialismus" von „Marke und Robe“


2. - Lea Charlotte Kus

Jede Kandidatur ist ein persönliches Statement. Das gilt besonders für Lea Charlotte Kus, Direktkandidatin im Wahlkreis Dessau-Wittenberg (Wahlkreis 27) bei der Landtagswahl. Sie war 17, als sie von der Wahlkreismitgliederversammlung zur Direktkandidatin gekürt wurde, und gerade 18 als Wählerin und Kandidatin. "Mir geht es gar nicht so sehr darum, in den Landtag einzuziehen, Ich will mich politisch engagieren." Einen aussichtsreichen Listenplatz hatte sie nicht, kandidierte außerdem für eine Partei, die zwei Legislaturperioden außerparlamentarische Opposition hinter sich hatte. Der Gewinn des Direktmandats schien sowieso ausgeschlossen, denn die Wähler/innen sind in der Mehrheit durchaus kritisch, was Newcomer/innen betrifft.

Wirklich gewählt zu werden, das sei nicht so realistisch, sagte sie im Gespräch mit dem Deutschlandfunk. Was ihr viel wichtiger ist, ist die FDP nach außen zu präsentieren, "so wie ich sie sehe". Und sie ergänzt, dass aus ihrer Sicht die FDP für ein modernes, nachhaltiges und innovatives Sachsen-Anhalt stehe – frei von Ideologien. „Ich finde die Kombination ist das, was unser Bundesland gerade braucht und das ist auch das, was ich den Leuten zeigen will." Lea Charlotte Kus hofft, dass sich mehr junge Leute politisch engagieren, damit auch die jungen Positionen politisch gehört werden.

Lea Charlotte Kus holte 6,2 Prozent der Erst- und Zweitstimmen in ihrem Wahlkreis: ↗https://de.wikipedia.org/wiki/Landtagswahlkreis_Dessau-Ro%C3%9Flau-Wittenberg#Wahl_2021. Übrigens: Ihr Abitur legte sie als Jahrgangsbeste ab und wurde für das Stipendium der Begabtenförderung der Studienstiftung des Deutschen Volkes nominiert. Sie studiert heute Biophysik an der Humboldt-Universität Berlin, engagiert sich u.a. auch als Referentin in Veranstaltungen der Friedrich-Naumann-Stiftung.

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